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Fakten
Bis Ende 1989 wurde an keiner Volkshochschule in der damaligen DDR die dänische Sprache gelehrt - auch nicht in Rostock. Es gab dafür keinerlei Bedarf.
Mit den 1990 eingetretenen politischen Umwälzungen änderte sich diese Situation schlagartig, denn Dänemark war jetzt nicht mehr von Mecklenburg-Vorpommern durch die Ostsee getrennt, sondern über die Ostsee führte nun der kürzeste Weg zu unserem bis dahin so unerreichbaren nördlichen Nachbarland.
Die VHS Rostock reagierte rechtzeitig, nahm neben anderen Sprachen auch Dänisch in ihr Angebot auf, und bereits im Herbst 1990 begannen die ersten 2 Anfängerkurse mit mehr als 60 Teilnehmern. Die Nachfrage war noch größer, aber mehr war nicht möglich, denn es gab nur einen Dänisch-Dozenten. Im folgenden Frühjahrssemester wurden erneut 2 Anfängerkurse angeboten, doch bereits ab Herbst 1991 wurde eine Regelung gefunden, die sich bis heute bewährt hat:
In jedem Herbstsemester wird ein Anfängerkurs angeboten, in den Frühjahrssemestern nicht. Da diese Kurse dann weitergeführt werden, laufen also immer ein I. und ein III. bzw. ein II. und ein IV. Semester gleichzeitig.
Bereits 1993 wurde deutlich, daß ein Teil der Kursteilnehmer daran interessiert war, die erworbenen Dänischkenntnisse in einer Prüfung zu dokumentieren und gleichzeitig einen Nachweis über einen abgeschlossenen Sprachkurs zu erwerben. Diese Möglichkeit bestand aber zum damaligen Zeitpunkt im Rahmen des Deutschen Volkshochschulverbandes für die dänische Sprache noch nicht.
Der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern beauftragte daraufhin die VHS Rostock, eine den Anforderungen der International Certificate Confernce (ICC) entsprechende Prüfung „Grundbaustein Dänisch" sowie einen entsprechenden Modelltest zu erarbeiten. Das gelang in relativ kurzer Zeit und bereits 1994 konnten die ersten 11 Kandidaten diese Prüfung ablegen.
Noch im gleichen Jahr wurden Prüfung und Modelltest vom Examinations Office of the ICC in Frankfurt am Main übernommen und sind seitdem fester Bestandteil der Sprachenzertifikate dieser europaweit anerkannten Einrichtung.
1994 reagierte die VHS auf die steigende Anzahl von Dänemarkurlaubern aus Rostock und Umgebung. Sie bot in den Monaten April und Mai erstmalig einen 20-stündigen Dänischkurs für Touristen an, der Sonnabendvormittags abgehalten und stark besucht wurde. Dieser Kurs findet seitdem in jedem Frühjahr statt.
Bis 1995 hatten bereits so viel Kursteilnehmer die vier Semester Dänisch absolviert, daß für daran Interessierte über eine Form der Weiterführung nachgedacht werden mußte. Diese wurde gefunden in Form eines Konversationskurses, der 14tägig jeweils über eine Doppelstunde geht und im Durchschnitt von 12 Teilnehmern besucht wird.
Im ersten Konversationskurs entstand auch die Idee, ein Treffen derzeitiger und ehemaliger Teilnehmer der Dänischkurse zu organisieren. Seit dem 2. Dezember 1995 wird dieses Treffen nun schon jedes Jahr am ersten Sonnabend im Dezember als „julefrokost" mit 40 bis 50 Teilnehmern veranstaltet
1996 war die VHS Rostock an einem bisher einmaligen Projekt beteiligt. Im Rahmen des EU-Aktionsprogrammes Leonardo da Vinci erhielten 11 junge Leute, die zu Groß- und Außenhandelskaufleuten ausgebildet wurden, einen vierwöchigen Dänisch-Intensivkurs. Damit wurden sie auf ein 3-6wöchiges Praktikum in Dänemark vorbereitet, das den Abschluß ihrer Ausbildung bildete. Alle absolvierten das Praktikum, und vier von ihnen erhielten anschließend einen Arbeitsplatz in dänischen Unternehmen in Ribe und auf Bornholm.
1999 wird im Herbstsemester erstmals ein Anfängerkurs Dänisch am Vormittag vorrangig für ältere Interessenten angeboten.
Zahlen
In den vergangenen 10 Jahren haben mehr als 350 Interessenten einen regulären Anfängerkurs Dänisch und rund 60 einen Kurs Dänisch für Touristen an der VHS Rostock besucht.
Das Examen „Grundbaustein Dänisch" legten nach 2 Jahren Unterricht 53 Kursteilnehmer ab, also etwa 15 % aller, die einen Anfängerkurs begonnen hatten. Dabei muß berücksichtigt werden, daß diese Prüfung erst ab 1994 möglich war.
Vier der Prüfungsteilnehmer, ausgebildete Lehrer, sind inzwischen schon wieder als Multiplikatoren wirksam geworden und haben zumindest zeitweilig Dänischunterricht an Rostocker Schulen bzw. einer Schule für behinderte Kinder in Graal-Müritz erteilt.
In den Semestern I bis IV erfolgt der Unterricht einmal wöchentlich von 17.00-19.30 Uhr, also drei Unterrichtsstunden zu je 45 Minuten.
Nach vier Semestern verfügt ein Kursteilnehmer über einen Mindestwortschatz von ca. 1200 dänischen Vokabeln. In Abhängigkeit vom Lerneifer des einzelnen kann der Wortschatz aber auch wesentlich größer sein.
Eine Analyse der Altersstruktur der Kursteilnehmer zeigt eine im Vergleich zu den Anfangsjahren deutlich sinkende Tendenz:
1991 Durchschnittsalter 40,9 Jahre
1995 Durchschnittsalter 38,8 Jahre
1999 Durchschnittsalter 33,2 Jahre
Der gesamte Dänisch-Unterricht in den vergangenen 10 Jahren wurde mit Ausnahme von 2 Monaten durch nur einen Dozenten erteilt. Eine zweite Lehrkraft (Muttersprachlerin) steht in Reserve und unterrichtet derzeit Norwegisch.
Gegenwärtig (Oktober 1999) nehmen am Dänisch-Unterricht der VHS Rostock Interessenten in folgenden Kursen teil:
Dänisch I 1 : 17 Teilnehmer
Dänisch I 2 : 12 Teilnehmer
Dänisch I am Vormittag : 8 Teilnehmer
Dänisch III : 10 Teilnehmer
Dänisch Konversation : 17. Teilnehmer
Im Frühjahr lief bereits ein Touristenkurs mit 15 Teilnehmern.
Zielstellungen für die Zukunft
Ergänzungen zu Fakten und Zahlen
Dänische und deutsche Volkshochschulen sind trotz gleichen Namens nicht einfach miteinander vergleichbar. Während man an einer dänischen Volkshochschule fast ausschließlich seinen Neigungen nachgeht und diese Heimvolkshochschulen zu einem festen Bestandteil der dänischen Lebenskultur geworden sind, handelt es sich bei fast allen deutschen Volkshochschulen um Einrichtungen der Weiterbildung, wo vor allem in den Fachbereichen Sprachen und Grund- bzw. Allgemeinbildung Abschlüsse nachgeholt oder erworben werden können. Alle Dozenten und Kursleiter sind Honorarkräfte und keine Angestellten der Volkshochschulen.
Im vorhergehenden Teil wurde auf die sich deutlich verjüngende Altersstruktur der Kursteilnehmer hingewiesen. Dafür gibt es eine relativ einfache Erklärung. Die ersten Kurse wurden zu einem erheblichen Teil von älteren Personen belegt, die Dänemark entweder noch aus ihrer Jugendzeit kannten oder während des 2. Weltkrieges dorthin verschlagen wurden. Bei anderen war es einfach die Neugier auf Unbekanntes, von dem sie aber früher gehört hatten.
Und noch etwas sollte hier nicht unerwähnt bleiben. In den ersten schweren Jahren der Wendezeit, die vor allem für die meist älteren Kursteilnehmer mit solchen Problemen wie Arbeitslosigkeit erstmals in ihrem Leben, einer gewissen Orientierungslosigkeit und der Bewältigung ständig neuer und unbekannter Probleme verbunden war, waren die wöchentlichen Dänischsstunden so etwas wie ein ruhender Pol. Hier war (scheinbar) alles wie immer: Ein Lehrer, eine Gruppe Schüler, drei Stunden lang war alles, wie man es von früher kannte. Betroffen waren irgendwie alle - zeitweise war auch der Lehrer arbeitslos - , und jeder hatte Verständnis für die Probleme des anderen. Man tauschte sich in den Pausen oder oft auch noch nach dem Unterricht aus, und sah dann doch wieder etwas optimistischer in die Zukunft.
In dieser Zeit (1992) war es auch, daß ein II. Semester Kontakte zu einer dänischen Privatschule in Frederikssund aufnahm, wo eine Gruppe Erwachsener einen Deutschkurs besuchte. Daraus entwickelte sich eine siebenjährige Zusammenarbeit, die in jährlichen Besuchen der ganzen Gruppen in Rostock bzw. Frederikssund ihre Höhepunkte hatte. Gemeinsam wurde Deutsch/Dänisch gesprochen und man lernte bei den Besuchen das Nachbarland kennen. Aus dieser Zusammenarbeit erwuchsen enge persönliche Freundschaften, die heute auf individueller Basis weiter gepflegt werden.
In den heutigen Kursen überwiegen die jüngeren Teilnehmer, die wesentlich andere Motive für das Dänischlernen haben. Einige arbeiten in hier ansässigen dänischen Unternehmen, andere erhoffen sich nach Abschluß ihrer Ausbildung einen Arbeitsplatz in Dänemark bzw. Skandinavien. Wieder andere Kursteilnehmer sind mit einem Dänen/einer Dänin verheiratet oder haben derartige Absichten. Zunehmend ist auch die Zahl derjenigen, die auswandern wollen oder das inzwischen bereits getan haben. Ein ständig größer werdender Anteil wird von Studenten gestellt, die neben ihrem Studium an der Universität Rostock eine zusätzliche Fremdsprache erlernen oder gar ihr Studium in Dänemark fortsetzen wollen. Und nicht zuletzt gibt es die jung gebliebenen Rentner und Frühpensionäre, die im Dänischlernen eine sinnvolle, aber auch etwas ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung sehen - denn Englisch lernt inzwischen fast jeder.
Nach einer längeren Zeit des Experimentierens mit verschiedenen Lehrmaterialien wurde seit 1992 als hauptsächliches Unterrichtsmaterial verwendet: Annegret Jöhnk, „Dänisch. Ein Sprachkurs für Schule, Beruf und Weiterbildung", Max Hueber Verlag München, bestehend aus Lehrbuch, Arbeitsbuch und 2 Kassetten. Mit Beginn des Herbstsemesters 1999 verwenden wir „Dänisch neu. Ein Sprachkurs für Jugendliche und Erwachsene" vom gleichen Verfasser und Verlag.
Das Lehrmaterial von Annegret Jöhnk hat sich bei uns besonders deshalb bewährt, weil es leicht verständlich die Möglichkeit der selbständigen Nacharbeitung versäumten Stoffes bietet. Das ist besonders bei einem Sprachkurs an einer VHS wichtig, denn nicht jeder Kursteilnehmer kann an jedem Unterricht teilnehmen.
Ergänzt werden diese Materialien durch Originalprospekte und Reklameschriften aller Art, Hörübungen mit den unterschiedlichsten Kassetten, Mitschnitte von dänischen Radiosendungen, z.B. „Danmark kort" auf P1 und Kurzvideos aller Art. Seit zwei Jahren verwenden wir auch die Videos aus dem Sprachkurs „Multimedie Dansk, Danish for Ducklings" vom Gads Forlag in Kopenhagen.
Der Dänischunterricht an der VHS Rostock ist freudbetont und vorrangig kommunikativ ausgerichtet. Durch das dänische Originalmaterial, das relativ unproblematisch zu beschaffen ist, wird jede Unterrichtsstunde auch mit ein wenig Landeskunde verbunden. Jede Unterrichtseinheit wird durch den Dozenten mit „dagens ordsprog/udtryk" eingeleitet und mit „dagens vits" - beides natürlich dänischen Ursprungs. - beendet.
Der Konversationskurs ist entgegen allen anfänglichen Befürchtungen zu einem festen Bestandteil des Dänisch-Kursprogrammes geworden. Neben einem festen Stamm, der seit fünf Jahren dabei ist, wechselt ein anderer Teil jedes Jahr. Und wieder andere sind nach einer Pause von zwei Jahren plötzlich wieder dabei. Und nach jedem IV. Semester sind neue Interessenten da.
Die Dänisch-Kurse für Touristen unterscheiden sich natürlich von den regulären Anfängerkursen. In 20 Stunden ist nicht allzuviel zu machen und es können nur geringe Fertigkeiten vermittelt werden. Aber die Kurse werden angenommen und oft auch von ganzen Familien mit Kindern besucht. Wenn dann die Kinder den Stoff besser bewältigen als die Eltern, kann das durchaus zu interfamiliären Problemen führen.
Einige Teilnehmer des Touristikkurses belegen dann aber im Herbst einen regulären Anfängerkurs. Sie wollten erst einmal testen, was denn so im Dänischen an der VHS geboten wird.
In einem III. Semester wurde der Dänisch-Dozent einmal gefragt, was denn an Stoff in einem gerade laufenden Touristenkurs geboten würde. Als dieser noch über eine umfassende Antwort nachdachte, kam von einem Kursteilnehmer, der allerdings diesen Touristenkurs nie besucht hatte, die etwas überhebliche Einschätzung: „Da wird das gelehrt, was keinem etwas nützt, ihm aber auch nicht schadet!" Diese Auffassung entspricht aber nicht der Wahrheit.
Beim Intensivkurs wurden vier Wochen lang täglich 6 Stunden Dänisch nach einem speziell dafür erarbeiteten Programm unterrichtet. Das war sowohl für die Kursteilnehmer als auch für den Dozenten eine enorme Belastung. Bereits nach 4 Stunden intensivem Sprachunterricht waren dem weiteren Aufnahmevermögen der Kursteilnehmer Grenzen gesetzt, die nur die motiviertesten überspringen konnten.
Intensivkurse sind natürlich nicht grundsätzlich abzulehnen, aber unter den o.g. Bedingungen trotz eines gewissen Erfolges nicht empfehlenswert.
Ein Dänisch-Anfängerkurs wird an der VHS immer mit der Zielstellung begonnen, diesen möglichst über 2 Jahre bis ins IV. Semester mit abschließender Prüfung „Grundbaustein Dänisch" zu führen. Jeder, der Lehrerfahrungen in der Sprachausbildung an deutschen Volkshochschulen hat, weiß, daß diese Zielstellung sich nicht im Selbstlauf realisiert. Eine Vielzahl bei den Kursteilnehmern auftretender objektiver und subjektiver Störfaktoren, die von der VHS und dem Dozenten nur bedingt oder gar nicht zu beeinflussen sind, dezimieren die Teilnehmerzahl eines Kurses in 2 Jahren oft doch erheblich. Trotzdem ist es seit 1994 bisher immer gelungen, jeden Dänischkurs auch im IV. Semester noch mit ansprechender Teilnehmerzahl zum Examen zu führen. Dazu gehört Ausdauer und Stehvermögen aller am Sprachkurs Beteiligten. Ein Sprachunterricht „nur eben so" oder mit viel Routine reicht nicht aus, um in Abendkursen über den Zeitraum von 2 Jahren die Kursteilnehmer immer wieder zu motivieren. Persönliches Engagement, Einfallsreichtum und Einfühlungsvermögen des Dozenten verbunden mit einem gewissen Mut zum Risiko sind erforderlich, um die Dänischstunde über das Niveau einer herkömmlichen Schulstunde hinauszubringen. Immer wieder gescheiterte Versuche in Schwerin, Stralsund, Bad Doberan, Ribnitz-Damgarten und anderen VHS, den Dänischunterricht langfristig ins Kursprogramm aufzunehmen, können als Beweis für diese Erfahrung gelten. Lediglich in Güstrow (Partnerstadt in Dänemark) und in Greifswald (Nordisches Institut an der dortigen Universität) befinden sich neben Rostock die einzigen VHS in Mecklenburg-Vorpommern, an denen Dänischunterricht zu finden ist.
Trotz einer nun schon zehnjährigen kontinuierlichen Entwicklung des Dänischunterrichtes an der VHS Rostock übersehen wir aber nicht, daß diese Sprache immer ein wenig exklusiv - manche sagen sogar" orientalisch" - im Sinne von etwas Besonderem bleiben wird. Im Vergleich zu solchen Fremdsprachen wie Englisch oder Spanisch ist der Interessentenkreis begrenzt. Dänisch wird nur von ca. 5 ½ Millionen Menschen gesprochen. Aber es wäre doch schön, wenn es auch in Zukunft mit Hilfe der VHS Rostock noch ein paar mehr werden könnten.
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